Die indische Mythologie ist vom Tanz durchdrungen, die hohe Tanzkunst wird dort göttlichem Ursprung zugeschrieben. Die Spiritualität wiederum durchdringt das Alltagsleben Indiens und mit den Göttern ist auch ihr Tanz allgegenwärtig. Viele der zahllosen Götter sind leidenschaftliche Tänzer, um einige ranken sich regelrechte Tanzlegenden.
,Veda' bedeutet Wissen. Die vier Veden sind die ältesten heute lesbaren Schriften aus dem indischen Kulturraum. In einer der heiligen Hymnensammlungen, der Rig Veda, wird beschrieben, wie die Götter sich im Tanz umklammern, während ihre Füße den Staub aufwirbeln und so die Welt erschaffen.
Vishnu
Die heute beliebteste Form Vishnus ist Krishna, der im Zentrum Indiens, in Vrindavan aufwuchs. In seiner Jugend hat Krishna es geliebt, die Flöte zu spielen und dazu mit den Kuhhirtinnen, den Gopis, zu tanzen. Dabei war er so geschickt, dass er, sich mit vielen auf einmal vergnügend, jeder Frau, jedem Mädchen das Gefühl gab, er tanze nur mit ihr. Doch sein Tanz ist mehr als erotischer Zauber: Den Schlangenkönig Kalia hat er besiegt, indem er auf seinem Kopf tanzte und ihn damit fast tötete. |
Die älteste Gottheit ist die große Muttergöttin. Sie hat im indischen Glauben als Ehefrau und Gefährtin ihrer männlichen Kollegen überlebt und wird als Devi (Göttin) oder Shakti (Kraft) vor allem im Osten Indiens verehrt.
Als Kali wurde sie von ihrem Gatten Shiva im Tanzwettstreit in Chidambaram nur geschlagen, weil er zu einem Trick gegriffen hat: Als er merkte, dass er sonst nicht gewinnen würde, streckte er ein Bein über seinen Kopf und tanzte mit so gespreizten Beinen weiter. Die Frau wollte aus Scham nicht mithalten.
Ganesha
Der Gott mit dem Elefantenkopf und der Vorliebe für Naschereien wird besonders im Westen Indiens verehrt. Trotz seiner Leibesfülle ist er ein leidenschaftlicher und anmutiger Tänzer, wie auf unzähligen Bildern und Reliefs zu sehen ist. |
Der große Yogi Indiens ist der Inbegriff des Tanzes. In der Form des Nataraja (König des Tanzes) wird er seit über tausend Jahren verehrt. Die großen Tempel Südindiens (Madurai, Chidambaram) sind ihm und seinem Tanz gewidmet. Seine ausdrucksstarken und kraftvollen Tänze sind Stoff zahlloser Geschichten. Sein Tanz symbolisiert das Werden und Vergehen, den Rhythmus der Welt.